Die Kinder erzählen

Ich bin Julio* und bin 15 Jahre alt. Ich habe seit meinem fünften Lebensjahr auf der Straße gelebt. Schon bald habe ich mit meinen Freunden angefangen zu trinken, zu rauchen und Drogen zu nehmen. Wenn sich niemand für dich interessiert, und auch niemand mehr mit dir redet, dann lebst du wie du willst, ohne Regeln und ohne irgendwelche Grenzen – und dann ist dir alles egal. Als ich 9 Jahre alt wurde, hatte das Leben für mich schon keinen Sinn mehr.
Zu dieser Zeit wurde ich ins Kidshaus eingeladen und habe dort die Mitarbeiter von Los Transformadores kennen gelernt. Wir konnten dort übernachten und sie haben uns immer wieder von Gott erzählt. Eines Tages haben sie mich gefragt, ob ich mein Leben nicht Gott geben möchte. Und ich hab „ja“ gesagt, und habe mein Herz geöffnet für Gott. Die Dinge, von denen ich dachte sie würden eh niemanden interessieren, in den Zeiten in denen ich mich alleine und einsam fühlte, da war es, als wenn jemand zu mir sagen würde: „Ich bin mit dir, ich bin bei dir!“ Und so habe ich mein Herz weiter und weiter geöffnet für Gott. Und mehr und mehr hat er mir gezeigt, dass er mit mir ist.
Als ich am Anfang in das Transformatorenhaus kam, ist es mir sehr schwer gefallen mich einzufügen, und ich war dauernd zornig. Es war sehr schwierig für mich, über Probleme zu sprechen. Immer wenn es zu einem Gespräch kam, konnte ich nur schreien. Aber je mehr ich mein Herz für Gott öffnete, hat er es immer weicher gemacht und alles veränderte sich.
Heute habe ich verstanden: Nur Gott kann mich wirklich ausfüllen und ich kann ihm nur danken, dass er mich gerettet und mir geholfen hat. Und auch Los Transformadores bin ich dankbar, die nichts über mich wussten, und mich zu sich nach Hause eingeladen haben.

Hallo, ich bin David*. Ich bin 13 Jahre alt, bin Paraguayaner und lebe im Trafo-Haus in Ñemby, in der Nähe von Asunción. Meine Mutter und mein Stiefvater haben mich früher sehr schlecht behandelt. Zum Beispiel wurde ich öfter mit einem Seil um den Hals an einen Guayaba-Baum gebunden. Warum, weiß ich auch nicht. Mit 7 Jahren bin ich dann von zu Haus weggelaufen. Eine Frau fand mich und brachte mich zur Polizei, wo ich 25 Tage lang mit Gefangenen in einer Zelle gewohnt habe.
An dem Tag, als ich 8 Jahre alt wurde, haben mich Elke und Monika von Los Transformadores in ihrem Haus aufgenommen. Jetzt gehe ich in die 7. Klasse, am liebsten spiele ich Schach und Fußball. Wenn ich groß bin, möchte ich Pastor werden.

Ich heiße Daniel* und bin 17 Jahre alt. Mit 7 Jahren ging ich auf die Straße, weil mein Stiefvater viel trank und sehr aggressiv war. Er schlug meine Mutter und ich versuchte, sie zu beschützen. Zum Essen ging ich in eine katholische Einrichtung oder ich hatte Geld von meinem kleinen Bruder, der auch auf der Straße bettelte. Es gab viele Raufereien zwischen Erwachsenen und Kindern. Außerdem befahlen uns die Erwachsenen, für sie zu arbeiten und zu stehlen. Später brachte man mich in ein Heim, wo es mir nicht gefiel; man schlug uns ohne Grund. Nach einem Jahr bin ich von dort ausgerissen und lebte wieder zu Hause. Ich verdiente ein wenig Geld, indem ich am Morgen im Justizministerium arbeitete, wo ich mich für andere Leute in der Schlange anstellte, um Erkennungsmarken zu bekommen. Später möchte ich mal die Welt kennen lernen und Profifußballer oder Buchhalter sein.

Tomás* ist jetzt gut 4 Jahre alt. Ein strahlender kleiner Junge, der Winnie Puhs Tigger über alles liebt! Seine neue Mama strahlt er an und weiß, dass er sich auf sie verlassen kann, geliebt und angenommen ist. Diese Veränderung ist ein richtiges Wunder, denn das erste Lebensjahr verbrachte er mit seiner jungen Mutter, selbst ein Straßenkind, an wechselnden Orten auf La Parada, Lima, Peru.  Als wir sie kennen lernten, war Tomás noch ein Krabbelkind, das täglich durch den Müll der Straße robbte und alles in den Mund steckte, was es dort zu finden gab. Seine Mutter Andrea ist Aidskrank, Prostituierte und mit der Situation, ein Kind zu haben, total überfordert, ihre Lebenserwartung ungewiss. Durch regelmäßigen Kontakt zu unseren Mitarbeitern bat sie uns im letzten Jahr, Tomás für eine Zeit bei uns aufzunehmen, da sie ihn nicht versorgen kann und die einsetzende feuchte Winterzeit ein zusätzliches Überlebensriko für den ohnehin schon kranken Tomás ist.
Aus den vereinbarten drei Monaten sind inzwischen fast drei Jahre geworden und gemeinsam mit der Mutter wird gerade ein rechtlicher Weg verhandelt, da sie nicht weiß, wie lange sie noch leben wird. Tomás war anfangs stark gestört und seine Aggressionen richteten sich im gleichen Maße gegen sich selbst wie gegen Menschen und Gegenstände seiner Umgebung. Durch konstante Beziehungen und die verändernde Liebe Gottes entwickelt er sich zunehmend zu einem fröhlichen Jungen, der Liebe empfängt und genauso austeilt und liebend gern mit seiner Freundin Manuela Bobby-Car fährt.

*alle Namen sind geändert

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